Werneck anno dazumal

 

Die "Vier Evangelisten" aus der Pfarrkirche Werneck bei "Kunst und Krempel" 

 

Die „Vier Evangelisten“ in der Pfarrkirche Werneck

 

Die Vorgeschichte der Bilder beschrieb Frau Emilie Kohl, geb. Schleyer, verw. Meyer, im Pfarrbrief der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Werneck von Ostern 2006. Danach erwarben im 19. Jahrhundert die Vorfahren von Frau Kohl die Gemälde, die laut Familienüberlieferung aus der ehemaligen Nikolauskapelle im Wernecker Friedhof stammen sollen, und bewahrten sie, von Tüchern gut geschützt, auf dem Dachboden des heute nicht mehr existierenden Hauses Nr 36 ½ auf (hinter der alten Kirche). Viele Jahrzehnte lang schmückten die Ölgemälde den Fronleichnamsaltar an der Seitentür der Kirche. Als die Nachkriegsrenovierung der alten Pfarrkirche durchgeführt wurde, übergaben Adam und Maria Schleyer die vier Bilder an die Pfarrgemeinde Werneck und sie fanden ihren Platz auf der Empore der alten Kirche links und rechts der Orgel. Nach dem Bau der neuen Kirche kamen die Evangelisten zuerst in die kleine Seitenkapelle, heute flankieren sie die Rokoko-Madonna an der Nordseite.

 

Am 21. Oktober 2018 fand im Kursaalgebäude des Staatsbades Bad Brückenau eine Veranstaltung der Fernsehsendung „Kunst und Krempel“ statt. Der Historische Verein Markt Werneck e. V. und die Kirchenverwaltung Werneck waren mit zwei Bildern der vier Evangelisten (Lukas und Matthäus) eingeladen und wollten etwas über die alten Ölgemälde erfahren um endgültig Klarheit über Herkunft und Alter der Bilder zu schaffen. Bisher wurde vermutet, dass sie um 1700 von einem italienischen Meister geschaffen wurden und evtl. auch wertvoll sein könnten.

 

Schon die erste oberflächliche Begutachtung im Vorübergehen durch Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Kunsthistoriker München, und Dr. Herbert Giese, beeideter Sachverständiger und Kunsthistoriker Wien, machten klar, dass die Bilder scheinbar nicht sehr wertvoll sind und aufgrund verschiedener Merkmale nicht von einem italienischen Maler stammen können. Für einen Auftritt im Fernsehen waren sie offensichtlich nicht geeignet.

 

Ausführlich beschäftigten sich anschließend Sabine von Poschinger, vereidigte Sach-verständige München, und Dr. Carl Ludwig Fuchs, Kunsthistoriker Dessau, mit den Werken. Die vier zusammengehörenden Bilder entstanden um 1740/1750, also zur Zeit der Fertigstellung des Wernecker Schlosses. Der Art nach wurden sie für einen Kreuzgang, eine Kirche oder eine Kapelle gemalt, sie könnten aber auch die Gemächer eines Abtes geschmückt haben. Es sind keine Altarbilder und keine Bilder die in ein Schloss gehören. Möglich ist also, dass sie speziell für die damals im Friedhof stehende Nikolauskapelle gefertigt wurden, eine eigene Kirche hatte Werneck zu der Zeit noch nicht. Vielleicht war der (noch unbekannte) deutsche Maler mit anderen Werken für das Schloss beauftragt und er bekam diesen Auftrag zusätzlich. Beweisen lässt sich das bisher nicht. Ein Vergleich mit Werken aus dem Schloss kann leider nicht gezogen werden, da aus dieser Zeit dort keine Gemälde mehr vorhanden sind.

 

Bei den beiden anderen als Foto vorliegenden Evangelisten gefielen Herrn Dr. Fuchs besonders die fein gemalten Hände und die Geste des Johannes sowie das menschliche Antlitz des Löwen bei Markus. Ob es Vorbilder für die Wernecker Bilder gibt, denen sie nachempfunden sind weiß man nicht, es ist jedoch wahrscheinlich. Zwei der Evangelisten-bilder (Matthäus und Johannes) befinden sich noch in den Originalrahmen aus der Entstehungszeit, die beiden anderen erhielten 1938 bei einer Restaurierung neue Rahmen*. Einen besonderen monetären Wert haben Gemälde dieser Art auf dem Kunstmarkt nicht.

 

Fazit: Die Bilder der vier Evangelisten sind Werke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, gemalt von einem deutschen Künstler. Sie sind zwar nicht von überragender, jedoch recht guter Qualität und sie befinden sich (nach erneuter Restaurierung im Jahre 2006) in einem einwandfreien Zustand, so dass sie die schöne Wernecker Kirche noch viele Jahre schmücken können.


*Die Originalrechnung zu dieser Restaurierung befindet sich noch heute im Pfarrarchiv. Danach wurden die Bilder des Lukas, des Markus und ein weiteres Gemälde „Maria mit Kind“ für zusammen 110 Mark restauriert und Lukas und Markus erhielten für 7 Mark neue Rahmen. Der Erhalt des Rechnungsbetrages wird am 14.06.1938 bestätigt durch “I.A. Rössner, Würzburg“.




 

 

 

 

Bei "Kunst und Krempel"





Neues Sammelgebiet:

Alte Briefköpfe und Rechnungen

 

 Alte Rechnungen sind eine interessante Quelle zur Ortsgeschichtsforschung. So findet man in den Briefköpfen teilweise Hinweise darauf, mit welchen Waren gehandelt wurde oder welche Produkte hergestellt und vertrieben wurden. Dazu sind manche mit herrlichen Bildern und Stichen versehen. Aus den Rechnungen selbst lässt sich u.a. ersehen, was die Waren kosteten und was man für die Arbeitszeit bezahlen musste.

 

Falls jemand weitere Exemplare besitzt, insbesondere von Geschäften und Firmen aus Werneck und seinen Gemeindeteilen, wäre ich für Hinweise sehr dankbar.

 

 

 

 

 

Alte Briefköpfe und Rechnungen


 

 

 

 

 

Neues zur Wernecker Orts- und Siedlungsgeschichte

 

 

Die Siedlungsgeschichte Wernecks begann bisher mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1223. Im Kernort gab es keinerlei Funde, die auf eine Besiedlung schon vor dieser Zeit hingewiesen hätten.

 

 

Im September/Oktober des Jahres 2013 wurde vor Baumaßnahmen im Schloss eine archäologische Grabung durchgeführt. Der dem Historischen Verein Markt Werneck e.V. überlassene Grabungsbericht listete u.a. auch Funde aus der Zeit des 12./13. Jahrhunderts auf. In der Vorbereitung auf einen Vortrag ("Werneck anno 1617" - 29.11.2017 - 19.30 Uhr - Leber-Scheune Werneck) stieß ich auf diesen Bericht und natürlich interessierte mich, was damals zu Tage gefördert wurde. Recherchen ergaben, dass die Funde seit damals unbeachtet im Depot des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in Bamberg (BLfD)lagerten.

 

 

Anfang November fuhr ich mit zwei Vereinskollegen dort hin, um zusammen mit Dr. Obst vom BLfD Einsicht in die Fundkisten zu nehmen. Es dauerte nicht lange und Dr. Obst bemerkte aufgeregt: "Oh, das ist aber alt!" Damit meinte er eine kleine, unscheinbare Keramikscherbe, die seinen Angaben nach aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammt. Nach und nach kamen weitere Stücke aus dieser Zeit und andere aus dem 8. bis 17. Jahrhundert zum Vorschein. Plötzlich konnte die Siedlungsgeschichte Wernecks um 6 - 700 Jahre weiter zurück verfolgt werden - eine kleine Sensation und ein besonderer Tag für Werneck.

 

 

 

 

 

 

Neues zur jüdischen Geschichte

 

Im Jahre 2010 veröffentlichte der Historische Verein Markt Werneck e. V. die Broschüre "Chronik der jüdischen Gemeinde von Werneck". Damals wurden die ersten Spuren jüdischen Lebens in Werneck auf das Jahr 1677 datiert. Inzwischen konnte eine "Ersterwähnung" fast 40 Jahre eher nachgewiesen werden. Im Staatsarchiv Würzburg befindet sich eine Amtsrechnung aus dem Jahre 1638, in der ein "Joseph Juden allhier" genannt wird.

 

 

 

 

 

Pillendose aus dem Jahr 1900 

 

Einen sehr interessanten Fund machte ein Freund in einem alten Haus in einem Nachbarort. Bei Aufräumarbeiten stieß er auf eine Pillendose aus dem Jahr 1900 von einem Vorgänger der jetzigen Apotheke Vanselow mit Namen L. Götz. Die Dose ist aus Pappe, hat einen Durchmesser von 5 Zentimetern und ist 2,3 Zentimeter hoch. Sie besteht aus zwei zusammensteckbaren Elementen und ließ sich durch weitere Teile erweitern, je nach Menge der verschriebenen Medizin. In diesem Fall handelte es sich vermutlich um auflösbare Pillen, da auf dem Deckel steht "Zum Gurgeln", darunter das Datum 24. XII 1900.

 

Pillendose aus dem Jahr 1900

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  

 

   

 

  


 

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